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Deutsche Meisterschaften 2012 in Balve – die Dressur im Fokus

Messe, Veranstaltungen & Turniere 10. Juni 2012

 

Man kann durchaus sagen, dass bei den Deutschen Meisterschaften in Balve einmal nicht die Springreiter, sondern die Dressur im Mittelpunkt stand. Denn für diese war Balve als offizielle Qualifikation für die Olympischen Spiele (neben dem CHIO in Aachen, nach dem nominiert wird) ausgeschrieben.

Dementsprechend war in Balve auch alles am Start, was Rang und Namen hatte. Viele Reiter hatten auf die vorangehenden Turniere wie Wiesbaden, München oder Hamburg verzichtet, um ihren Fokus ganz auf Balve zu legen.

Dressur

Unumwundener Star des Turniers war eine zierliche Dame und ihr prachtvoller Dunkelfuchs: Helen Langehanenberg und Damon Hill. Die Entwicklung von Helen und ihrem „Dami“ in den letzten Monaten war wirklich phänomenal – dass beide gut zueinander passen und vorne mitreiten können, das wusste man schon, als sie im vergangenen Jahr für die Europameisterschaften in Rotterdam nominiert wurden. Dass sie aber in der absoluten Weltspitze angekommen sind, das haben auch Experten spätestens beim Weltcup-Finale in S´Hertogenbosch erfahren, als beide nur äußerst knapp von Adelinde Cornelissen und ihrem Welt- und Europameister Parzival geschlagen wurden.

Nun also die Deutschen Meisterschaften in Balve, wo sich die beiden zwar im Grand Prix noch knapp „Wunderhengst“ Totilas und Matthias Rath geschlagen geben mussten, dann aber im Grand Prix Special und in der Kür noch einmal so richtig aufdrehten und den Konkurrenten souverän auf Platz 2 verwiesen. 88,400 % in der Kür – eine Leistung, die wohl auch auf einem internationalen Championat zu einer Medaille hätte reichen können. Dort wird Helen auf eine Adelinde Cornelissen (NED) und Parzival, auf Carl Hester (GBR) und Uthopia und auf Charlotte Dujardin (GBR) und Valegro treffen, die alle eine Einzelmedaille wollen und auch erreichen können. Doch auch Helen Langehanenberg kann dabei ein Wörtchen mitreden, das ist spätestens jetzt klar!

Ob es bei Matthias Rath zu einer Einzelmedaille reicht bei den Olympischen Spielen, das ist noch fraglich. Wenn Hengst Totilas und sein Reiter einen guten Tag erwischen, dann ist alles möglich. Doch in Balve legte der Hengst (wieder einmal) eine gewisse Verspannung an den Tag, die ihm nicht zu nehmen war. Seine beste Leistung zeigte er sicherlich im Grand Prix, als er Langehanenberg noch schlug. Doch der Hengst kann mit Matthias Rath nach wie vor nicht den Zauber verbreiten, den er mit seinem ehemaligen Reiter Edward Gal aufs Viereck brachte. Möglicherweise müssten diese Vergleiche langsam ein Ende haben, doch wer einmal das Bild des Totilas von damals sah, der wird es so schnell nicht los.

Ohne Zweifel hat Matthias aber langsam einen Zugang zum Pferd gefunden und beide wachsen zu einem Team zusammen, dass bei Olympia überzeugen kann – und zu einer sehr guten Teamleistung in jedem Fall beitragen wird.

Dass sie im Olympischen Team ist, das wird auch für die junge Kristina Sprehe, das Küken im Kader, immer wahrscheinlicher. Erneut war sie mit Desperados ganz vorne mit dabei bei den Deutschen Meisterschaften – drei Mal Platz 3. Es hätte auch gut und gerne mal der zweite Platz sein können, so überzeugend waren die beiden. Etwas mehr Schwierigkeiten noch in ihrer Kür – und Kristina könnte sogar noch besser platziert werden als sie es ohnehin schon ist. Fehler unterlaufen diesem Paar sehr wenige.

Sollten Langehanenberg, Rath und Sprehe das Olympia-Team bilden (und danach sieht es momentan aus), dann wäre die Mannschaft diese Spiele sehr jung (30, 27 und 25), sehr motiviert und einfach frisch – vielleicht genau das, was die Richter sehen wollen. Wer weiß, auch wenn es extrem schwierig wird bei der Leistung der Briten, vielleicht können unsere Dressurreiter das Olympische Gold dennoch verteidigen.

Auch noch gute Chancen auf Olympia haben Anabel Balkenhol und Dablino, die zwar den Rückstand durch die Verletzungen erst aufholen müssen, aber auf einem guten Weg sind, und in Aachen beim CHIO mit der Mannschaft starten dürfen. Würde ein Olympia-Team nach wie vor aus vier Reitern bestehen, wären sie wohl mit dabei, doch die Neuregelung könnte sie auf die Ersatzbank bringen…

Eine recht schlechte Leistung zeigten bei den Deutschen Meisterschaften Isabell Werth und ihr El Santo, die auch noch für die Mannschaft infrage gekommen wären – doch nun scheint der „Zug“ fast schon abgefahren für unsere Rekord-Olympionikin, der es jeder wieder einmal gegönnt hätte, mit dabei zu sein.

Springen

Im Springen konnte unter den Olympia-Kandidaten Janne Friederike Meyer auf ganzer Linie überzeugen. Sie wurde Deutsche Meisterin der Damen (mit La Coco) und auf ihrem potenziellen Olympia-Pferd Lambrasco Zweite in der für Damen offenen „Herren Konkurrenz“. So konnte sie zwar nach Meredith Michaels-Beerbaum nicht die zweite „Deutsche Meisterin der Herren“ werden, wie der Titel manchmal scherzhaft genannt wird, aber sie freute sich dennoch über die super Leistung des Pferdes und den guten Weg, auf dem sie für Olympia sind.

Weniger Glück hatte Ludger Beerbaum, der auf seiner Olympia-Kandidatin Gotha nach Verweigerung auch noch stürzte. Das Pferd zog sich einen Bluterguss zu und muss vorerst ein paar Wochen pausieren – ein Rückschlag auf dem Weg nach London. Man muss sehen, ob sich Gotha – eine Woche zuvor noch Siegerin im Großen Preis von Rom – so schnell wieder erholt und im Parcours erfolgreich ist.

Und noch einer tauchte in Balve auf: Carsten-Otto Nagel, ebenfalls A-Kader-Mitglied. Seine Championats-Stute Corradina, die von vielen als das beste deutsche Pferd der vergangenen Jahre tituliert wird, laborierte lange an einer Zahn-OP. Sie startete deshalb nur in Randprüfungen – man wird sehen, ob sie noch rechtzeitig so fit ist, dass sie von Bundestrainer Otto Becker, der ihr alle Chancen einräumt, für London nominiert wird.

Sieger in Balve war übrigens ein völlig unbekannter: Marc Bettinger mit seiner Stute Oh D´Eole konnten sich im Stechen gegen Janne Meyer und Rolf Moormann mit Acorte durchsetzen. Eine phantastische Leistung von einem Mann, der es gar nicht so recht fassen  konnte, was er auf dem verregneten Sandplatz in Balve geschafft hatte…

Deutsche Meisterschaften also im Zeichen der Olympischen Spiele, die einige neue Erkenntnisse brachten und das Dressur-Team für London schon fast zusammensetzen konnten…

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