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Carsten-Otto Nagel – der schwierige Weg nach London

Portraits und Interviews unserer Reiter 29. Juni 2012

 
Reiten Olympia 2012 in London

„Wir werden in den kommenden Monaten versuchen, die Planung für Corradina wieder so passend zu gestalten wie in den letzten drei Jahren, damit sie am Tag X wieder in Höchstform ist. Das ist uns in Windsor gelungen und in Kentucky und jetzt wieder in Madrid. Wir hoffen einfach, dass dies auch in London so sein wird. Dass wir bei den Spielen dabei sein können.“

Dieser Kommentar stammt von Carsten-Otto Nagel, er gab ihn kurz nach den Europameisterschaften 2011 in Madrid ab, wo es ihm gelungen war, erneut – nach Windsor 2009 – die Silbermedaille in der Einzelwertung zu erringen. Dazwischen lagen die Weltreiterspiele in Kentucky – Gold mit der deutschen Mannschaft, der 5. Platz in der Einzelwertung. Dazu kamen eine Mannschaftsbronzemedaille in Windsor und Mannschaftsgold in Madrid. Fazit: Kein anderer deutscher Reiter war in den vergangenen drei Jahren bei Championaten so erfolgreich.

Carsten Otto Nagel

Carsten Otto Nagel – © Kreis Dithmarschen

Ich glaube ganz sicher, dass eine Olympiade etwas ganz Besonderes ist. Schließlich kommen dorthin die Sportler aller Sportarten aus aller Welt. Schon das ganze Flair dort ist einmalig.

Worte der Vorfreude, ebenfalls aus dem vergangenen Jahr, als Carsten-Otto Nagel noch hoffte, dass die Vorbereitung zu den Spielen optimal laufen würde.

Doch im Reitsport agieren zwei Partner zusammen als Gemeinschaft Reiter und Pferd – wenn einer von beiden nicht gesund ist, kann der andere es kaum retten. Und gerade bei den Vierbeinern geht die Gesundheit selbstverständlich über alles.

Corradina hatte in diesem Jahr ein gesundheitliches Problem – und ist Carsten-Otto Nagels 14-jährige Partnerin unter dem Sattel. Corradina, der wunderschöne Schimmel, der Nagel in den vergangenen Jahren zu all seinen großen Erfolgen getragen hat. Viele Reiter haben mehr als ein Championatspferd – bei Carsten-Otto Nagel ist sein Name aufs Engste mit der Stute verbunden.

So kam er natürlich auch erst einmal ins Grübeln, als Corradina im Frühjahr einen stark entzündeten Zahn hatte und eine OP notwendig wurde. Als Corradina noch nicht wieder ganz auf der Höhe war, zog sie sich obendrein noch eine Nebenhöhlenentzündung zu. Alles in allem eine sehr langwierige Geschichte. Erst im Juni konnte Corradina wieder auf einem kleinen nationalen Turnier gezeigt werden. Steinig erscheint der Weg nach London – und die Zeit dafür wird langsam knapp.

Zwar zeigte Springreit-Bundestrainer Otto Becker äußerstes Verständnis für Nagels Lage. Wenn ein Pferd sich einen Bonus verdient hätte in den vergangenen Jahren, dann wäre dies Corradina gewesen. Sie war stets eine Bank für eine sichere Nullrunde. Doch dass sie diese auch auf Championatsniveau wieder hinlegen kann, das muss die Stute nun in Rotterdam und vor allem beim CHIO in Aachen beweisen. Am letzten Tag des CHIOs werden die Olympiateilnehmer nominiert. In den kommenden zwei Wochen muss die Stute sich also von Null auf Hundert steigern.

Über seine ersten Turniere im Juni äußerte sich Nagel vor kurzem:

Corradina fühlte sich gut an wie immer. Kein Unterschied zur Vergangenheit. Sie ist nun wieder ganz gesund. Aber sie ist einfach was Besonderes, dass sie so schnell den Weg zurück gefunden hat.

Dennoch warnt Nagel, ihn jetzt schon als sicheren Olympiateilnehmer zu betrachten:

Die nächsten Wochen werden für uns entscheiden, ob es reicht für Olympia.

Gönnen würden dies wohl die meisten dem sympathischen Holsteiner, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern wird, aber noch lange nicht daran denkt, sich aus dem aktiven Sport zurückzuziehen. Jung halten ihn die Frauen an seiner Seite, Corradina zum einen, zum anderen Mylene Diederichsmeier, 34-jährige Springreiterin, die auch einst hocherfolgreich war und in der renommierten Riders Tour 2005 den zweiten Rang belegte.

Sie beschreibt die Partnerschaft mit Carsten-Otto vor allen Dingen als sehr schön, da sie beide Pferdemenschen sind.

Bei unserer Intensität mit den Pferden wäre für uns beide ein Partner, der sich nicht für Pferde interessiert, wohl unmöglich. Da wir beide dieses Leben leben und lieben, passen wir jedoch sehr gut zusammen.

Zusammen mit Janne Friederike Meyer könnte Carsten-Otto Nagel ein halb-Holsteiner-Olympiateam stellen. Beide sind waschechte Bürger dieses deutschen Bundeslandes – und auch ihre Pferde Corradina und Lambrasco stammen von dort.

Olympia ist ein Traum des Carsten-Otto Nagel, aber auch wenn dieser nicht in Erfüllung gehen sollte, wird er wohl niemals von den Pferden ablassen. Denn er stammt aus einer echten Pferdefamilie, auch der Cousin Tjark Nagel war einer der bekanntesten deutschen Reiter – und ist heute Heimtrainer von Janne Friederike Meyer. Mit seinem Pferd L´Eperon schaffte Nagel es 1999 erstmals in eine deutsche Championatsequipe und holte Gold mit der Mannschaft in Hickstead bei der Europameisterschaft. Zwei Mal siegte Nagel außerdem beim legendären Hamburger Derby – 1999 mit Wienerwirbel und 2010 mit Lex Lugar. Doch all diese Siege könnten durch eine Olympia-Teilnahme und natürlich erhofften Medaille in den Schatten gestellt werden…

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Ein Kommentar zu “Carsten-Otto Nagel – der schwierige Weg nach London”

  1. Alexandra am 30. Juni 2012 @ 16:09

    Gestern noch waren sie Olympia-Kandidaten, heute muss leider die traurige Mitteilung erwähnt werden, die man beispielsweise hier lesen kann: St. Georg …. Carsten-Otto Nagel verzichtet mit Corradina auf den CHIO und damit auf die Olympia-Nominierung, die nur über dieses Qualifikationsspringen noch möglich gewesen wäre. Man muss an dieser Stelle mit dem Reiter fühlen, aber ihm Hochachtung zollen für die Entscheidung, Corradina, die nach wie vor nicht ganz fit ist (zunächst Zahnfistel und OP, dann Nebenhöhlenentzündung, schließlich noch ein dickes Bein, weswegen sie nicht beim CHIO in Rotterdam an den Start ging), nicht vorzustellen und damit nicht die Gesundheit des Pferdes für den eigenen Erfolg zu riskieren.

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