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Unsere Reiter bei den Paralympics – Das deutsche Team

Reiten - Paralympics 2012 in London 27. August 2012

 
Paralympics

Sie haben es nun ebenso wie unsere Reiter bei den Olympischen Spielen verdient, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen: Unser deutsches Team für die Paralympics 2012, die Spiele der Menschen mit Handicap.

Sechs Reiter reisen nach London, vier davon werden am Ende im Team stehen, einer ist Einzelreiter, einer Ersatz.

In London wird von 30. August bis 4. September 2012 geritten. Zunächst steht die Entscheidung mit der Mannschaft auf dem Plan. Dann geht es im Einzel weiter, wo Entscheidungen in einer Einzelprüfung und in einer Kür in fünf verschiedenen sogenannten Grades (I – IV) stattfinden werden. Grade I bezeichnet dabei die schwersten Behinderungen.

Insgesamt gibt es also 11 Entscheidungen, bei denen das deutsche Team immer ein Wörtchen mitreden möchte – und auch beste Chancen dazu hat!

 

Der deutsche Reiter Kader für die Paralympics




 

Hannelore Brenner (49) mit Women of the World (17)

Ihre dritten Olympischen Spiele wird Hanne Brenner in London 2012 erleben. Bereits 2008 in Hongkong hieß ihre Partnerin Women of the World – eine grazile Hannoveraner-Stute, die nicht immer ganz einfach zu reiten ist. Die 49-Jährige aus Rheinland-Pfalz kann sich für London mit der Mannschaft und im Einzel einiges ausrechnen, gewann sie doch vor vier Jahren Gold im Einzel und der Kür und Silber mit der Mannschaft. Auch bei den Weltmeisterschaften konnte sie zu höchsten Ehren und Gold reiten. Man sagt, Women of the World sei das momentan beste Pferd bei den Para Equestrians und Hanne eine der besten Reiterinnen. Die aufgrund eines Reitunfalls bei einer Vielseitigkeits-Landesmeisterschaft querschnittsgelähmte Erfolgsreiterin geht in der Grade III an den Start. Ihr Motto lautet „Behindert ist nur, wer sich selbst behindert“… Übrigens konnte Hanne Brenner im Jahre 2011 einen großen Erfolg feiern: Sie gewann eine S-Dressur im Regelsport! (ausführliches Porträt folgt)

Portrait von Hannelore Brenner

 

Britta Näpel (46) mit Aquilina (14)

Britta Näpel nimmt in London 2012 an ihren zweiten Olympischen Spielen teil. Auch sie konnte in Hongkong 2008 große Erfolge feiern, unter anderem holte sie Gold im Einzel in der Grade II mit ihrem damaligen Pferd Cherubin. Schon 2004 war sie bei den Paralympics dabei (und gewann Silber mit der Mannschaft), obwohl sie erst 2002 wieder mit dem (therapeutischen) Reiten begonnen hatte.

Britta Näpel leidet seit einer Vergiftung mit Insektenschutzmittel 1998 an spastischen Lähmungen, die es ihr zeitweise unmöglich machen, die Beine zu benutzen. So reitet sie beispielsweise mit zwei Gerten, die ihr Pferd durchs Viereck führen. Vor dem Unfall war Britta Näpel bereits begeisterte Reiterin und vor allem in der Vielseitigkeit unterwegs. Sie machte eine Ausbildung zur Pferdewirtin und hat auch heute ihren eigenen Betrieb, bzw. betreut sie das Zentrum für Therapeutisches Reiten in Wonsheim, Rheinland-Pfalz, als Geschäftsführerin. Trainiert wird Britta Näpel seit längerer Zeit von der Dressurreiterin Uta Gräf, die Erfolge bis zur höchsten Klasse vorweisen kann und auf der Longlist für London stand.

Aquilina ist eine Zweibrücker Fuchsstute, die Britta in den letzten Jahren zur Verfügung gestellt bekommen hat. Mit ihr wurde sie Zweite im Einzel und mit der Mannschaft bei den Weltreiterspielen in Kentucky 2010, wo die Paraequestrian Reiter erstmals vollständig integriert waren.

 

Angelika Trabert (44) mit Ariva-Avanti (9)

Ariva-Avanti ist das „Nesthäkchen“ unter den Pferden im deutschen Team – und doch ist die Hessen-Stute schon so erfolgreich. Bereits 2010 nahm sie mit ihrer Reiterin Angelika Trabert an den Weltreiterspielen in Kentucky teil – und gewann als Siebenjährige die Kür! Von diesem Paar kann man sich bei den Olympischen Spielen ALLES erwarten – nicht zuletzt deshalb, weil Angelika schon über große Erfahrung verfügt. Die heute 44-Jährige war bereits bei vier Olympischen Spielen am Start – Atlanta, Sydney, Athen und Hongkong. Ein Rekord unter den deutschen Teilnehmern! Und natürlich war „Geli“ nicht nur am Start, sondern brachte auch noch fleißig Medaillen mit. Höhepunkte: Silber mit dem Team und in der Kür 1996 und Silber mit dem Team 2008. Angelika Trabert wurde ohne Beine und mit einer Fehlbildung der Hand geboren. Sie reitet mit einem Spezialsattel in der Grade II. Schon als kleines Kind begeisterte sie sich für Pferde und war seitdem nicht mehr aus dem Sattel zu bekommen – auch wenn es sehr schwierig war, überhaupt eine Reitschule und Pferde für Angelika zu finden…

Angelika Trabert hat Medizin studiert und arbeitet als Anästhesistin. Sie lebt im hessischen Dreieich und trainiert ebenso wie Britta Näpel häufig mit Uta Gräf. Ihr Motto: „It´s ability not disability that counts”.

Portrait von Angelika Trabert

 

Lena Weifen (23) mit Don Turner (10) und Bright Chrystal (9)

Auch die junge Lena Weifen wurde für ihre ersten Olympischen Spiele gleich mit zwei Pferden nominiert. Mehr Erfahrung bringt der 10-jährige Hessen Wallach Don Turner mit. Mit ihm wurde Lena bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr Dritte mit dem Team und vor zwei Jahren bei ihrer ersten Weltmeisterschaft Vierte im Einzel in der Grade IV. Bright Chrystal ist ein neunjähriger Hannoveraner Hengst von Wolfram Wittigs Spitzenpferd Breitling W, der in diesem Jahr auch bereits gute Erfolge feiern konnte, dem jedoch noch ein bisschen die Erfahrung fehlt.

Lena leidet seit ihrer Geburt unter einer Fehlbildung des rechten Armes, was jedoch eine noch sehr geringfügige Behinderung bedeutet. Sie kann deshalb auch im Regelsport bis hin zur Klasse S antreten – und tut dies auch mit großem Erfolg. Vor den Olympischen Spielen hat sie sich noch Tipps von Olympia-Silbermedaillengewinnerin Kristina Sprehe geholt. Sie und ihr Don Turner sind ein eingespieltes Team, das bei Olympia in jedem Fall ein Wörtchen vorne mitreden kann – und das ist auch der größte Traum der 23-jährigen Industriekauffrau  aus dem niedersächsischen Bösel, die den wohl rasantesten Aufstieg aller deutschen Olympiateilnehmer hinlegte. Denn 2010 kurz vor ihrem internationalen Debüt bei den Weltreiterspielen in Kentucky war sie noch ländlich als Hobbyreiterin unterwegs gewesen. Angesprochen von der Bundestrainerin wurde sie Ersatz und kam dann wegen der Verletzung eines anderen Pferdes in die Mannschaft – mit dem Erfolg des vierten Platzes im Einzel!

 

Steffen Zeibig (35) und Waldemar (16)

Von Geburt an hatte Steffen Zeibig keinen rechten Unterarm, keinen linken Fuß und keinen rechten Unterschenkel. Er wuchs in der ehemaligen DDR in Dresden auf, machte nach der Wende 1994 seinen Realschulabschluss. Danach arbeitete er als Kaufmann bis er diese Arbeit 2002 aufgab. Von da an widmete sich der Familienvater (zwei Töchter) vermehrt dem Sport, kam in den B- und schließlich in den A-Kader der deutschen Behindertenreiter. Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte er 2008 bei den Olympischen Spielen in Hongkong mit Waldemar, als er Silber mit der Mannschaft gewinnen konnte. Bis heute begleitet ihn sein treuer Waldemar, ein Hannoveraner Wallach mit hohem Vollblutanteil. Erfolge konnte Steffen heute bis zur Klasse S hin feiern, bei den Behindertenreitern startet er in der Grade III (vormals in der Grade II). Angefangen hat alles mit einem Shetland-Pony, das Steffen von seiner Mutter geschenkt bekam. Es folgte die Haflingerstute der Schwester und dann das erste eigene Großpferd. Da hatte Steffen aber längst „Blut geleckt“ und nahm an Reiterwettbewerben aller Art teil. Bis heute findet er seine Erfüllung übrigens nicht nur in der Dressur, sondern auch im Springen. Miraz hieß sein bisher bestes Springpferd, mit dem er bis Klasse M unterwegs war.

 

Ersatzreiterin:

Alina Rosenberg (20) mit Magellan (14) und Harun (11)

Alina Rosenberg ist das „Küken“ im deutschen Team – vielleicht hat es auch deshalb nicht ganz für die Mannschaft gereicht, sodass sie als Ersatzfrau mitreist nach London. Alina startet in der Grade Ib – der Klasse der schwersten Behinderung. Alina kam als Frühchen auf die Welt, hatte einen Lungenriss und eine extreme spastische Lähmung. Schon mit zwei Jahren wurde mit dem therapeutischen Reiten begonnen. Unzählige Operationen musste die kleine Alina dennoch über sich ergehen lassen. Doch irgendwann wusste ihrer Trainerin Gundula Lüdtke, dass dieses Mädchen mehr kann, als Reittherapie machen. Also stellte sie Alina ein Pferd für größere Aufgaben zur Verfügung – und riet ihr, aus dem heimatlichen Konstanz vom Reiterhof ihrer Mutter umzuziehen nach Brandenburg, wo sie in einer integrativen Schule das Abitur macht und in der Rollireitschule Radensleben weitermachten. Von dieser bekam sie auch Unterstützung durch finanzielle Mittel für Fahrzeug, Spezialsättel und Co. Mit Magellan konnte Alina ab 2009 erste Erfolge feiern. Mit dem Hannoveraner nahm sie auch an den Europameisterschaften 2011 teil und wurde Fünfte im Einzel. In diesem Jahr zeigte auch Harun, ein Hannoveraner von Heraldik, tolle Leistungen und wurde ebenfalls für die Spiele nominiert. Wenn man die Begeisterung der jungen blonden Dame heute erlebt und wie selbstsicher sie durchs Leben geht, möchte man fast  nicht glauben, dass sie tatsächlich schon so viel hinter sich hat…

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